FördePerspektivenArchitekturblog über Kiel und die Kieler Förde

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Die Kieler Innenstadt – eine Idealvorstellung

Während des Werkstattverfahrens im vergangenen Jahr und in der abschließenden Planungswerkstatt gab es trotz der verschiedenen Interessen und der unterschiedlichen planerischen Vorkenntnisse der Beteiligten in vielen Punkten einen Konsens. Die Übereinstimmungen betrafen dabei nicht nur die grundlegenden Fragestellungen, sondern auch die Begeisterung für einzelne Ideen und planerische Details.

Planungswerkstatt mit Stadtplänen
Symbolbild: Planungswerkstatt mit Stadtplänen

Der offizielle Entwurf

Im Rahmenkonzept “Perspektiven für die Kieler Innenstadt” des Stadtplanungsamtes, das im Juni 2009 erschien, sind die grundlegenden Planungsentscheidungen eingeflossen. Die Ausarbeitung ist gelungen und unter städtebaulichen Aspekten als nahezu lehrbuchmäßig zu bezeichnen. Bei der Vorstellung wurde sie deswegen von Bürgern und Planern positiv zur Kenntnis genommen.

Einzig das weiterhin eingeplante Einkaufszentrum „Rathausgalerie“ zwischen Altem Rathaus und Holstenstraße stieß auf Kritik, war es doch während der Planungswerkstatt von Bürgern und den eingeladenen Planern nahezu einstimmig abgelehnt worden. Ob die erneute Einbeziehung aus politischem Kalkül geschah oder nur die Darstellung einer städtebaulichen Option war, wurde an diesem Abend – und auch später – nicht geklärt.

Das Ideal

An dieser Stelle soll nun der Versuch unternommen werden, die Ideen der Planungswerkstatt einmal in einer abstrahierten Konzeptskizze zusammen zu fassen, ohne dabei Rücksicht auf politische oder wirtschaftliche Interessen nehmen zu müssen. Dass bei gleichwertigen Möglichkeiten die Entscheidungen im Zweifelsfall subjektiv getroffen werden, ist dabei unumgänglich. Im Grundsatz wurden sie immer zugunsten eines klaren, durchgängigen Konzeptes gefällt.

Die nachfolgenden Skizzen sollen die damaligen Grundideen visualisieren und in der durch den Karstadt-Verkauf neu belebten Innenstadt-Diskussion alternative Wege aufzeigen. Auf eine Differenzierung der Nutzungen (Verwaltung, Handel, Wohnen, etc.) wurde in den Grafiken bewusst verzichtet, um die Kernaussagen klarer darstellen zu können.

Grundlegende Planungsentscheidungen in Stichworten

Innenstadt

Das Stadtzentrum macht den Charakter einer Stadt aus und prägt den Eindruck, den Bürger und Besucher von ihr gewinnen. Eine Forderung aller Beteiligten war, dass man sich ein lebenswertes Zentrum mit Aufenthaltsqualität wünscht. Die Innenstadt soll Mittelpunkt des öffentlichen Lebens sein, ein Ort zum Treffen und Verweilen, und nicht nur dem Konsum dienen. In dieser Hinsicht wurden mehrere Grundsätze formuliert:

  • Aufhebung der „Inselwirkung“ des Karstadt-LEIK-Komplexes, Öffnung des Gebäudes zu Altem Markt und Bootshafen
  • Umstrukturierung der Eggerstedtstraße
  • Umgestaltung des Alten Marktes (Abreißen der Platzbebauung, Einebnen der Fläche)
  • kein Einkaufszentrum zwischen altem Rathaus und Holstenstraße
  • dafür Sanierung und Aufwertung Markthalle
  • Ausbildung der Holstenstraße zur Flaniermeile mit Wohnen und Gastronomie (evtl. mit Wasser)
  • Aufwertung von Europaplatz, Rathausplatz und Berliner Platz; Steigerung der Aufenthaltsqualitäten in der Innenstadt

Innenstadtinsel

Das Besondere an Kiel ist die Lage an der Förde. Sie macht einen Großteil der Lebensqualität in der Landeshauptstadt aus. Leider spürt man in der Innenstadt recht wenig von der Nähe zum Wasser. Die Stadt wendet dem Wasser quasi den Rücken zu. So gibt es in der Innenstadt praktisch keine Gastronomie am Wasser und die Vernetzung der Einkaufsstraßen verläuft parallel zum Fördeufer – nie zum Wasser.

Dies hat natürlich zwingende Gründe, zum einen wegen der Sicherheitsvorschriften seitens des Seehafens und der notwendigen Verlade- und Parkflächen, andererseits ist dies für ein Stadtzentrum ein unhaltbarer Zustand und kann langfristig nicht so bleiben. Hier müssen Kompromisse gesucht und gefunden werden.

Um das Wasser in die Stadt und die Menschen ans Wasser zu bekommen, gibt es deswegen folgende Ansätze:

  • Wasserverbindung zwischen Bootshafen und Kleinem Kiel
  • Wasserverbindung zwischen Bootshafen und Förde
  • Sitzmöglichkeiten an der Förde, vielleicht als Sitzstufen am Sartori-Berger-Speicher

Kieler Schloss

Ein Erfolg des Werkstattverfahrens im vergangenen Jahr war die Diskussion über den Wert des Kieler Schlosses und die abschließende Erkenntnis, dass es bestehen bleiben soll. Dieser Konsens war in der weiteren Betrachtung Ausgangspunkt für die Entwicklung von Ideen, wie man in Zukunft mit dem Gebäude und der angrenzenden Konzerthalle umgehen soll.

Der Schlossbereich hat als kultureller Schwerpunkt der Kulturmeile und als Entrée für die Besucher, die vom Ostseekai kommen, eine Schlüsselrolle in in der nördlichen Innenstadt. In dieser Hinsicht wurden folgende Grundsätze formuliert:

  • Bessere Anbindung des Schlossareals an die Innenstadt
  • Kieler Schloss soll erhalten bleiben
  • Aufwertung bzw. Aufstockung des Gebäudes
  • Sanierung oder Neubau der Konzerthalle
  • Umgestaltung des Schloss-Parks
  • bessere Anbindung an Hindenburgufer (Kulturmeile) und Ostseekai