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Kiel Hansastraße – eine Empfehlung

Es ist sehr erfreulich, wenn Einwände gegen ein vorgestelltes Konzept – hier die Planung der Schulverwaltung für das Gelände der Goethe- und Ricarda-Huch-Schule – nicht nur verbal vorgetragen werden, sondern konstruktiv auch alternative Vorschläge. Das Konzept der Bürger ist ein Beispiel, wie Partizipation funktionieren kann – dieses vorab völlig unabhängig davon, ob diese Lösung nun tatsächlich besser ist als die offizielle Planung von Stadt und AX5.

Schulgebäude mit Freifläche
Symbolbild: Schulgebäude mit Freifläche

Da mir der Hintergrund beider Konzepte nur unzureichend bekannt ist, will ich diese nicht im Einzelnen beurteilen. Mir geht es eher darum, darauf hinzuweisen, dass mit der Neuordnung des Schulgeländes eine vielleicht nicht wiederkehrende Chance besteht,

  1. die beiden Schulen intensiver als bisher zu verbinden und
  2. die Schulen strukturell besser in den Stadtteil zu integrieren.

Zu 1.: Das Konzept der Schulverwaltung sucht die Verbindung über die Mensa herzustellen. Für eine fußläufige Verbindung steht die Mensa aber schlichtweg im Weg. Eine denkbare Verbindung östlich der Turnhalle würde bauliche Vorkehrungen im Altbau der RHS erfordern und im Neubau der Klassenzeile der Goethe-Schule erfordern und damit den funktionalen Zusammenhang der Erdgeschossnutzungen stören.

Das Konzept der Bürger stellt zwar eine geradlinige Verbindung der beiden Schulhöfe nicht explizit dar, würde diese aber parallel zur dargestellten Laufbahn möglich machen.

Zu 2.: Beide Konzepte haben m.E. eine deutliche Schwäche dadurch, dass sie nicht weiträumig oder städtebaulich denken. Beide Gebäude wenden sich nur nach innen, die Wirkung nach außen wird offensichtlich nicht bedacht.

Eine Mensa und eine Sporthalle sollten heutzutage nicht für einen begrenzten Nutzerkreis (=Schüler) allein erstellt werden, sondern durch mehrere Gruppen (=Vereine, Senioren, Schüler) nutzbar sein. Dadurch entstünde ein wichtiger Impuls auch für den Stadtteil. Für Veranstaltungen könnte die Mensa die Bewirtschaftung übernehmen, die Nebenanlagen (WC, Garderoben u.ä.) könnten beiden Einrichtungen dienen. Um einen vom Schulbetrieb unabhängigen Betrieb zu ermöglichen, ist das Nebeneinander beider Einrichtungen (Mensa+Sporthalle) sinnvoll. Auch sollte der Zugang so angelegt sein, dass das Schulgrundstück nicht zwangsweise betreten werden muss. Das ist nur im Konzept der Bürger möglich.

In beiden Konzepten fehlt eine Verknüpfung mit den Straßen, d.h. Hansastraße und Westring. Insbesondere der fast zufällig wirkende Zugang von der Hansstraße aus ist völlig unbefriedigend. Im Konzept der Bürger entsteht eine Rückseite der Mensa mit Anlieferung und Stellplätzen.

Resümee = Empfehlung:

Beide Konzepte erfüllen die zu stellenden Anforderungen an die städtebauliche Einbindung der zwei Schulen nur teilweise, die interne Verbindung ist in beiden Konzepten nicht wirklich gelöst.

Für eine Verbesserung bietet das Konzept der Bürger mehr Spielraum, es sollte m.E. dieses weiter verfolgt werden.

Meine Vorschläge im Einzelnen sind:

Zu 1: Herstellung einer ausgeprägten Schulachse zwischen den beiden Schulhöfen parallel zur dargestellten Laufbahn ohne die bestehenden und geplanten Gebäudetrakte zu beeinträchtigen.

Vor der Mensa sollte ein kleiner Platz in der Art eines Forums die internen Wege verknüpfen und Raum für gemeinsame Aktivitäten bieten.

Die Laufbahn ist nach Osten zu verschieben, so dass kein Überqueren notwendig ist, um andere Teile der Freiflächen zu erreichen. Um die notwendige Länge zu sichern, ist der Zugang der Schule von der Hansastraße etwas nach Süden zu verlegen und platzartig anzulegen.

Zu 2.: Mensa und Sporthalle sind am Westring so nebeneinander zu legen, dass eine Nutzung unabhängig vom Schulbetrieb möglich ist und Funktionselemente gemeinsam genutzt werden können. Der Zugang sollte sowohl von Osten (Schulen) möglich sein, als auch vom Westring (externe Nutzer). Der Zugang vom Westring ist einladend in Form eines kleinen Platzes (Wartebereich, Fahrradständer) in Verbindung mit den notwendigen Stellplätzen so anzulegen (dafür Aufgabe der Stellplatze zwischen Sporthalle und Goetheschule!!!), die Mensa so zu gestalten, dass keine unansehnliche Rückseite entsteht. Die Anlieferung (ein- oder zweimal am Tage) kann problemlos über den Vorplatz erfolgen. Eine Umfahrt wie im Vorschlag der Bürger ist m.E. nicht erforderlich. Entlang dem Westring sollte ein Teilbereich für kurzfristiges Halten zum Bringen oder Abholen der Kinder bzw. anderen Nutzer ausgelegt werden.

Die hier dargelegten Vorschläge sind in der beigefügten Skizze auf der Grundlage der Bürger-Alternative dargestellt. Orange hervorgehoben sind die Wegebeziehungen: Schulachse zwischen den Schulhöfen, dazwischen ein zentraler Platz (Forum vor der Mensa), kleine Plätze zur Verknüpfung der schulinternen Wege mit dem öffentlichen Raum (Hansastraße bzw. Westring). Nicht ganz korrekt ist der Zugang des Schulgeländes von der Hansastraße gezeichnet: Er müsste etwas weiter nach Süden in Richtung Kindergarten verlegt werden, um die Laufbahn mit Auslauf zu ermöglichen.

Ich hoffe, mit dieser Kritik und den Vorschlägen beiden Konzepte zu helfen, bestehende Vorstellungen zu optimieren und würde mich freuen, damit einen Konsens zu erleichtern. Mit den anstehenden Baumaßnahmen wird die Zukunft der Schulen baulich-strukturell für viele Jahre geprägt, zugleich würde der Stadtteil gewinnen. Vielleicht gibt es ja noch bessere Lösungen…

Dieter-J. Mehlhorn