Dem einen oder anderen Leser wird aufgefallen sein, dass die Beitragsdichte in den vergangenen Wochen etwas spärlicher geworden ist. Es fehlte einfach an der notwendigen Motivation, sich mit den aktuellen architektonischen Entwicklungen in Kiel zu beschäftigen.

Nicht, weil nichts passieren würde. Ganz im Gegenteil, denn eigentlich wird an allen Ecken geplant und gebaut. Sondern weil man mit ansehen muss, wie die besten städtischen Lagen mit trivialen Gebäuden zugebaut werden – und langfristig für ambitioniertere Planungen nicht mehr zur Verfügung stehen.
Natürlich sind die Zeiten im Schatten der weltweiten Krise nicht einfach, und speziell in der eher wirtschaftlichen Randlage, in der sich Kiel befindet, muss man manchmal zu Kompromissen bereit sein. Aber ist die Lage schon so verzweifelt, dass man sich die besten städtischen Lagen auf Jahrzehnte verbaut?
Alles ist relativ
Natürlich werden einige nun wieder einwerfen – „Sieht doch gar nicht so schlecht aus.“, „Vorher war es noch schlimmer.“, „Endlich tut sich mal was!“, „Ist doch ok.“
Aber wird ein „Ok“ diesem einmaligen Standort direkt am Wasser gerecht? Haben die Stadt, die Bürger und die Besucher nicht mehr verdient? Verdient haben sie sicher mehr, und sie erwarten auch mehr, was man in den Kommentaren auf KN-Online mitverfolgen kann.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich seit der Mobilcom-Pleite und dem Platzen der Vision der Kai-City-Kiel eine gewisse Lethargie breit gemacht hat. Ob das Hörn-Gelände weiterhin brach liegt oder ob dort einige beliebige Bürogebäude entstehen, scheint egal zu sein. Sowohl die Germania-Arkaden als auch das kommende Callcenter der Telekom, bei dem gerade der Grundstein gelegt wurde, würden in dieser Art auch in irgendeinem Gewerbepark auf der grünen Wiese nicht weiter auffallen.
Während andere Metropolen ihre städtischen Uferlinien aufpolieren, um Besucher zum Verweilen einzuladen, werden hier kostbare Chancen verspielt. Welcher Tourist würde schon um die Hörn laufen und dort die Bürogebäude fotografieren? Und welcher Kieler würde Fremden dazu raten unten an der Hörn zu flanieren? Er würde sie wohl immer an das Hindenburgufer oder an den Strand nach Heidkate schicken.
Büros ja – aber bitte in schön
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – Büroraum in Toplagen ist wichtig, um Zukunftsbranchen und hochqualifizierte Arbeitskräfte an die Förde zu locken. In Verbindung mit hochwertigem Wohnen kann so langfristig ein belebter und attraktiver Stadtteil mit Magnetwirkung entstehen, der einen Impuls für die ganze Stadt setzt.
Und es muss auch nicht gleich ein Guggenheim-Museum wie in Bilbao oder eine Oper wie in Sydney sein, aber etwas mehr Anspruch ist notwenig, um mit anderen Städten konkurrieren zu können. Das aktuelle Niveau ist nicht ausreichend.
In diesem Sinne wünsche ich uns Kielern, dass die Altstadtentwicklung auf dem Westufer positiver verläuft und warte gespannt auf die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs auf dem ZOB-Areal, der hoffentlich etwas frischen Wind in die Baukultur an der Förde bringt.