Das Kieler Schloss an der Förde ist heute zum größten Teil ein Bau der Nachkriegszeit. Nach dem Luftangriff vom 4. Januar 1944 blieb von der alten Residenz vor allem der barocke Rantzaubau stehen, der Ostflügel ist ein Backsteinneubau der Hamburger Architekten Sprotte und Neve aus den Jahren 1961 bis 1963. Seit 2005 steht der gesamte Komplex unter Denkmalschutz, die Nachkriegsbauten eingeschlossen.

Von der Burg zur Residenz der Gottorfer
Die Geschichte des Kieler Schlosses beginnt mit einer Burg, die vermutlich schon 1242 bei der Gründung der Stadt entstand. Bauherr war der Stadtgründer Adolf IV. von Schauenburg. Die Burg sollte die Siedlung auf der schmalen Landzunge zwischen Förde und Kleinem Kiel schützen. Sie stand an der Stelle des heutigen Rantzaubaus auf der Westseite des Schlossplatzes und wurde 1502 abgerissen.
Zum Renaissanceschloss wurde die Anlage unter Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf, der sie von 1558 bis 1568 ausbauen ließ. Auf der Wasserseite entstand ein großer Quader mit vier nebeneinanderliegenden Einzeldächern und zwölf Ziergiebeln, ein Bautyp, den man in Ahrensburg und Glücksburg bis heute sieht. Zusammen mit dem älteren „Neuen Haus“ im Westen ergab sich ein dreiflügeliger, c-förmiger Grundriss, der sich am Nachkriegsbau noch ablesen lässt.
1665 feierte man im Schloss die Gründung der Kieler Universität, der Christiana Albertina. Zwanzig Jahre später stürzte der ältere Westflügel ein. Herzogin Friederike Amalie ließ ihn von 1695 bis 1697 durch den Rantzaubau ersetzen. Ihr Baumeister war Domenico Pelli, ein aus der Schweiz stammender Architekt in dänischen Diensten, der fast alle Hochbauten der Festung Rendsburg errichtete. Der Rantzaubau steht bis heute größtenteils.
Ab 1721 war Kiel für ein halbes Jahrhundert Hauptresidenz der Gottorfer Herzöge, die nach dem Großen Nordischen Krieg auf Holstein beschränkt waren. Im Schloss kam Karl Peter Ulrich zur Welt, der spätere russische Zar Peter III. Unter Katharina der Großen wurde der Renaissancebau zu einem barocken Palais umgestaltet, 1763 setzte Ernst Georg Sonnin ihm ein mächtiges Mansarddach auf. Von 1888 bis 1918 wohnte hier Prinz Heinrich von Preußen, danach zogen Verwaltung und Landesbibliothek ein.
Die Zerstörung 1944 und der Abriss der Ruinen
Am 4. Januar 1944 brannte das Kieler Schloss nach einem Luftangriff bis auf die Grundmauern aus. Mit ihm verbrannte eine wertvolle Möbelsammlung, die zum Teil aus anderen holsteinischen Schlössern wie Plön stammte. Getroffen waren alle Teile der Anlage, und nach dem Krieg stellte sich die Frage, was von ihr überhaupt erhalten werden sollte.
Der Rantzaubau wurde etwas verkürzt und renoviert. Für die übrigen Flügel gab es zunächst Pläne, die stehen gebliebenen Mauern in einen Neubau einzubeziehen. Sie wurden verworfen: Süd- und Ostflügel wurden abgerissen, nur Teile des nordwestlichen Turms des Ostflügels blieben stehen. Erhalten blieb außerdem das Fundament des Renaissancebaus auf der Wasserseite. Auf ihm steht heute der neue Ostflügel.
Sprotte und Neve: der Ostflügel von 1961 bis 1963
Den neuen Ostflügel entwarfen die Hamburger Architekten Herbert Sprotte und Peter Neve, die den 1957 ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatten. Von 1961 bis 1963 ließen sie einen Flügel aus Backstein errichten. Er ist keine Rekonstruktion, übernimmt aber die Abmessungen des Vorgängerbaus und steht auf dessen Fundament. So bleibt die Lage des Renaissanceschlosses am Wasser im Stadtbild erkennbar.
An die Stelle des abgerissenen südlichen Verbindungstrakts setzten die Architekten einen aufgestelzten Flachbau, der den Namen Historische Landeshalle erhielt. Das im Krieg ausgelagerte Museum der Historischen Landeshalle wurde nach dem Wiederaufbau des Schlosses 1966 mit der Dauerausstellung „Nordelbingen“ wiedereröffnet, einer Schau mit Bildern zur Geschichte Schleswig-Holsteins.
Wer die beiden Architekten waren, erklärt einiges an diesem Bau. Sprotte und Neve hatten 1935 in Hamburg ein gemeinsames Büro gegründet. Sie orientierten sich an der skandinavischen Moderne, an Vorbildern wie Kay Fisker und Arne Jacobsen, und kennzeichnend für ihre Hamburger Entwürfe war gelber Backstein. Peter Neve war gebürtiger Kieler und hatte an der Kieler Kunstgewerbeschule gelernt. Überregional beachtet wurden von ihren Arbeiten vor allem der Wiederaufbau des Kieler Schlosses und der Neubau der Kieler Lutherkirche.
Von der Landesbibliothek zum privaten Kulturzentrum
Der neue Ostflügel war jahrzehntelang Sitz der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, die bis 2003 seine oberen Stockwerke belegte. Die unteren Geschosse mit teilweise sehr hohen Räumen und der anschließende Anbau wurden zum Kulturzentrum „Kieler Schloss“. Hier war unter anderem das Landesamt für Denkmalpflege untergebracht. Der Anbau beherbergt einen Konzertsaal und ein Regionalstudio des NDR, im Westflügel saß die Volkshochschule.
2003 wurde das Kulturzentrum privatisiert. Landesbibliothek und Denkmalamt zogen in den weiter südlich gelegenen Sartori & Berger-Speicher am Wall. Laut Wikipedia finden im Schlosskomplex jährlich um die 300 Veranstaltungen mit bis zu 200.000 Besucherinnen und Besuchern statt.
Denkmalschutz und der Streit um das Altstadtquartier
Seit 2005 steht der gesamte Schlosskomplex unter Denkmalschutz, einschließlich der Nachkriegsbauten. Der barocke Rantzaubau und der Ostflügel von Sprotte und Neve sind damit gleichermaßen geschützt.
Wie umstritten das Schloss trotzdem blieb, zeigte sich 2008. Im September lud die CDU zu einer öffentlichen Diskussion über die Vision eines „Altstadtquartiers“ des Projektentwicklers ECE ein, ausgerechnet ins Kieler Schloss. In dieser Vision hatte das Schloss keinen Platz mehr, an seiner Stelle war ein Hotel mit Kongresszentrum gedacht. Wir haben über die Debatte im Schloss selbst berichtet. Aus dem Publikum kam damals deutliche Kritik daran, dass der Verlust des Gebäudes überhaupt zur Diskussion stand.
Die Pläne für die Altstadt hingen eng zusammen. Im selben Sommer äußerten sich auch die Projektentwickler und Eigentümer im Karstadt-Leik-Bereich, nachzulesen in unserem Beitrag zu ihren Stellungnahmen. Bei der Planungswerkstatt Ende Januar 2009 setzten rund hundert Kielerinnen und Kieler die Altstadtinsel an die erste Stelle und wünschten sich ein besseres Kulturangebot mit einem Konzertsaal. Ebenfalls 2008 erschien in „Denkmal“, der Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein, ein Beitrag von Deert Lafrenz mit dem Titel „Aus gegebenem Anlass – Eine Lanze für das Kieler Schloss“.
Der Schloßgarten nördlich des Schlosses
Zum Schloss gehört der Schloßgarten, oft auch Schlossgarten geschrieben, eine knapp drei Hektar große Grünfläche nördlich des Gebäudes. Er ist rund 300 Meter lang und 100 Meter breit und liegt zwischen der gleichnamigen Straße, der Hegewischstraße, dem Düsternbrooker Weg und der Straße Prinzengarten. Angelegt wurde er als kleiner Renaissancegarten, als Adolf I. das Schloss ausbaute.
Herzogin Friederike Amalie ließ die Anlage 1695 zu einem Barockgarten umbauen, der nach ihrem Tod nicht mehr gepflegt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand daraus ein Englischer Landschaftsgarten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwahrloste der Garten, sein oberer Teil diente als Parkplatz für das Universitätsklinikum. Seit 2007 werden die Beete rund um das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., das Adolf Brütt 1896 vollendete, nach historischen Plänen angelegt. 2010 wurden die Terrassen wiederhergestellt. Im nördlichen Teil liegt seit 1986 der Skulpturengarten der Kunsthalle zu Kiel.