FördePerspektivenArchitekturblog über Kiel und die Kieler Förde

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2.Öffentliches Hearing des Werkstattverfahrens zur Kieler Innenstadtentwicklung

Die zweite Veranstaltung des Kieler Werkstattverfahrens

Baustelle in der Innenstadt
Symbolbild: Baustelle in der Innenstadt

Im Gegensatz zum ersten Expertenabend am vergangenen Freitag war es diesmal gut besucht. Wieder stellten sich Bürgermeister Todeskino und zwei Dutzend Experten dem Dialog mit den rund 80 Kieler Bürgerinnen und Bürgern.

Die Moderatorin Prof. Elke Pahl-Weber vom Stadtplanungsbüro BPW Hamburg führte wieder durch den Abend und Bürgermeister Todeskino eröffnete auch dieses zweite Hearing ähnlich dem vorausgehenden mit einer Zusammenfassung des Rahmenkonzepts, wobei er anmerkte, es diesmal nicht in ein “Trommelfeuer” ausarten lassen zu wollen…

Thema war diesmal das Handlungsfeld Städtebau einschließlich Denkmalschutz, Freiraumgestaltung, Verkehr und Hafenwirtschaft.

Zu den Themen Verkehr und Hafenwirtschaft kamen keine neuen Impulse, es wurde von Todeskino lediglich auf die bekannten Pläne hingewiesen: Stärkung von Kiels Fahrradfreundlichkeit, die Entwicklung der Stadtregionalbahn, mehr Haltestellen für den Busverkehr und die Hafenwirtschaft mit den Kreuzfahrern weiterhin als Nr.1 in Deutschland zu behaupten.

Marie-Luise Zastrow, Kieler Architektin und im Beirat für Stadtgestaltung, kritisierte in diesem Zusammenhang die mangelnde Vernetzung des Ost- und des Westufers. Die Hörnbrücke und die Busverbindungen reichen nicht aus, Kiel als Stadt am Wasser sollte diese Stärke nutzen und direktere Beförderungsmöglichkeiten beispielsweise durch ‘Wassertaxis’ anbieten. Dadurch würde die Förde weniger als trennendes Element wirken und es wäre eine bessere Einbeziehung der östlichen Stadtteile möglich. (Diese Idee wurde auch schon bei dem Projekt Kiel 2030 thematisiert.)

Stärker diskutiert wurde die Freiraumgestaltung in Kiel: Der Alte Markt und seine Pavillionbebauung rückten in den Fokus. Vielstimmig wurde deutlich, dass der Platz in seiner jetzigen Form keine Aufenthaltsqualität habe, u.a. da die Pavillions ‘im Weg’ stünden, und dass eine Freifläche ohne permanente Bebauung die Attraktivität und Durchlässigkeit der Altstadtinsel erhöhe. Ebenfalls würde dadurch die Dänische Straße - eine der wenigen Straßen Kiels mit Altstadtflair -  stärker mit einbezogen, da man nicht erst “über den Alten Markt klettern” müsse.

Als Beispiel wurde hier aus dem Publikum die dänische Stadt Aarhus angeführt, die durch die Aufwertung ihrer Alstadtinsel die Verweildauer, von Bürgern und Touristen gleichermaßen, um ein Drittel steigern konnte.

ECE-Vision: ‘planungsunsensibel’

Auch bei diesem Hearing war die Vision von ECE zu Altstadtinsel nur noch nebensächlich vertreten und eher der Kritik ausgesetzt. Die Stimmung bei Experten und Publikum tendierte zur Erhaltung des Schlosses, zumal die “Wiederaufbauleistung der Kieler Bürger nach dem Krieg” unter Denkmalschutz steht und das Potential eines Gebäudes sich auch oftmals erst im Laufe der Zeit entfaltet. Hier wurde Bezug auf die Fischhalle genommen, deren Bestehen vor einiger Zeit gefährdet war, aber die durch Initiativen gerettet werden konnte und heute ein einmaliges Schiffahrtsmuseum ist.

Darin, dass die Geschichte der Stadt - so wenig Historisches Kiel noch zu bieten hat - erhalten und gepflegt werden muss, waren sich Denkmalschutz und ein Großteil des Publikums einig. Die Pläne von ECE wurden diesbezüglich als ‘planungsunsensibel’ eingestuft.

Die Vertreter vom Denkmalschutz, die ihren Bereich von Todeskino bisher eher “feuilletonistisch” behandelt sahen, äußerten sich weitergehend ablehnend zum Projekt der Rathausgalerie, und gleichzeitig dass sie am wenigsten Probleme in der Umsetzung des Karstadt-Leik-Projektes sähen, da hierdurch am wenigsten historischer Bestand gefährdet wäre.

Kultur statt Kommerz!

Der Kritik des letzten Hearings, dass es nur um Konsum gehe, wurde von Todeskino lediglich entgegnet, dass die Innenstadt starke Umsatzeinbußen zu verzeichnen hat, wogegen etwas getan werden muss. Und irgendwann müsse dies ja thematisiert werden. Dass Einkaufszentren nicht die einzig möglichen Maßnahmen sind, wurde von ihm nicht berücksichtigt.

Deutlich wurde, dass wieder mehr Leben in die Kieler Innenstadt kommen muss, um die Attraktivität und auch den zurückgehenden Umsatz zu erhöhen. Dass dies mit einem Überangebot an Shopping-Malls geleistet werden kann, ist eher unwahrscheinlich. Auch von den Bürgern wurde eher eine Verbesserung des öffentlichen Raumes als eine Privatisierung desselben gewünscht.

Viel interessanter erscheinen die Vorschläge, die Plätze anders und schöner zu gestalten, mehr kulturelles Leben am Bootshafen zu initiieren, die Lage am Meer herauszuarbeiten sowie das alte Gebäude der KN als kulturelles Zentrum (statt die Rathausgalerie zu bauen) mit der Kieler Uni zu vernetzen (Zastrow) und dieses auch Kleinkunstinitiativen zur Verfügung zu stellen. So würde ohne ein Mehr an Verkaufsflächen die Attraktivität der Innenstadt erhöht, mehr Leben entstehen und damit auch der bestehende Einzelhandel stärker genutzt. Die Innenstadt könnte durch eine solche Umgestaltung eine ernsthafte Konkurrenz zu Citti und Raisdorf erreichen, da diese Zentren zwar ein großes Angebot für Konsumenten auf kleiner Fläche haben, aber keine wirkliche Aufenthaltsqualität bieten…

Fazit: “Kiel hat eher ein Qualitäts- als ein Quantitätsproblem…” (Experte von Haus&Grund)

Die nächste Veranstaltung ist am 13. Januar 2009 um 19 Uhr im Neuen Rathaus/Raum D604 (Eingang gegenüber dem Hafenhaus)