Während die Konzeptentwicklung und die Gestaltung des Altstadtbereiches um den Alten Markt und die Eggerstedtstraße noch ganz am Anfang stehen, ist die Entscheidung für das nördliche Areal der Alten Feuerwache schon gefallen. Im April konnten sich die Kieler Architekten Zastrow+Zastrow in einem Architekturwettbewerb mit ihrem Konzept gegen neun weitere Büros behaupten. Im Augenblick laufen die Realisierungsvorbereitungen.

Im Rahmen der aktuellen Altstadt-Diskussion, soll hier das Ergebnis des Wettbewerbes vorgestellt werden. Es wäre zu wünschen, wenn das Werkstattverfahren, welches Bürgermeister Peter Todeskino mit Interviews, Expertenabenden und Bürgerbeteiligung durchführen möchte, zu ähnlich hochwertigen Ergebnissen führen würde.
Ergebniss des Wettbewerbes:
1. Preis: Zastrow + Zastrow / Kiel (Preis dotiert mit 12.500 €):
2. Preis: peteresen pörksen partner / Lübeck (Preis dotiert mit 7.500 €)
3. Preis: studio 42 / Neumünster (Preis dotiert mit 5.000 €)
Kurzfassung der Wettbewerbserläuterung von Zastrow+Zastrow
Städtebauliche Leitidee ist, die vorhandenen Randstrukturen durch zwei bauliche Klammern so zu vervollständigen, dass die im Altstadtkonzept entwickelte „Kulturachse” entsteht. Eine frei stehenden Gebäudezeile von besonderer Architektursprache („Krone”) schließt die Raumkante zum Jensendamm.
So werden zwei Erschließungswege gebildet: der „Jensengang”, der auf der Kulturachse die Verknüpfung zwischen Dänischer Straße und Kleinem Kiel herstellt und der nach Westen davon abzweigende „Quergang”, der zur Falckstraße / Ecke Jensendamm führt und in einer Terrasse am Werkstattcafé mit Blick auf den Kleinen Kiel mündet. Es entstehen Blickbeziehungen und Plätze unterschiedlichen Charakters.
Künstlerisches Element als Leitmotiv der Kulturachse ist ein parallel verlaufendes Wasserband, welches das Element Wasser in der Beziehung Kleiner Kiel / Fördeufer zitiert und den Straßenraum des „Jensengang” belebt. Es trennt in diesem Bereich auch die Funktionen des Wohnens der gewerbliche Nutzung. Kleine Brücken zu den Hauseingängen schaffen altstädtisches Milieu in moderner Übersetzung. Die Reste der alten Stadtmauer bleiben erhalten und werden in das Projekt erlebbar integriert. Das Entwurfskonzept sieht eine aus dem Ort entwickelte, differenzierte Bebauungsstruktur vor. In Geschossigkeit und Kubatur werden die Neubauten sensibel in den Bestand integriert und an prägnanten Punkten werden Orte dadurch gestärkt.
In unserem Entwurf schlagen wir ein mäandrierendes Rahmenband in Längsrichtung vor, und transparente Vorder- und Rückseiten (Fensterflächen nach Norden / Terrassen nach Süden).
Wesentliches Ziel der Freiraumplanung ist die Schaffung eines offenen Raumgefüges innerhalb des neuen Quartiers im Gegensatz zu den geschlossenen Blockrändern außen. Durchblicke und Wegebeziehungen schaffen ein offenes System mit differenzierten Aufenthaltsqualitäten. Die halböffentlichen, grünen Innenhöfe bieten gemeinschaftlich nutzbare Platzflächen, die über das beschriebene Wasserband von der Öffentlichkeit getrennt sind. Loggien und Terrassen dagegen sind private Aufenthaltsbereiche.
Eine Fortsetzung der Kulturachse in den Park erfolgt nicht konkret baulich, sondern beschränkt sich auf eine imaginäre Linie, den so genannten Skulpturenstrahl. Dieser knüpft die Verbindung zur Kunsthochschule und verläuft bewusst abgesetzt zum vorhandenen Mahnmal. Die Wegeanbindung an das neue Quartier wird aus dem vorhandenen Wegenetz des Parks entwickelt.
Das Preisgericht beurteilte den Entwurf folgendermaßen:
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Der Entwurf formuliert am Jensendamm eine neue Stadtkante und folgt damit der Idee einer geschlossen ausgeformten Altstadtinsel. Er setzt diesen Gedankten dann auch auf dem benachbarten Kirchengrundstück fort. Das Gesamtkonzept ist robust und bietet Raum für vielfältig interpretierbare Lösungsansätze.
- Die vom Auslober gewünschte Kulturachse öffnet sich am Jensendamm trichterförmig und verknüpft so den Wettbewerbsbereich mit den Parkanlagen am Kleinen Kiel. Das gebietsinterne Wegesystem ist gassenartig ausgebildet und vollständig sozial kontrolliert. Das Zusammenlegen der Zufahrten zur neuen Tiefgarage und der Zufahrt zur kirchengenutzten Tiefgarage wird begrüßt. Da auch die Höfe an der Falckstraße verkehrsfrei gemacht werden, entstehen so ruhige Wohnseiten sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Blockhälfte. Damit sind günstige Voraussetzungen für die Entwicklung attraktiver Wohn- und Gewerbenutzungen gegeben.
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Die in der westlichen Blockhälfte vorgesehenen Wohnhöfe gliedern die dortige Baumasse und verknüpfen die Freiflächen auf den Gebäuderückseiten der Falckstraße wohltuend mit der Bebauung im Blockinneren.
- Über das geplante Wasserband kann Oberflächenwasser abgeführt und nach Vorklärung in den Kleinen Kiel eingeleitet werden.
- Die freigelegten Stadtmauerreste werden in der Tiefgaragenebene eingehaust und aus der Fußgängerebene über Blicktrichter (cones) nicht nur für den historisch bewussten Bewohner erlebbar gemacht. Die Verbindung des 1. OG des Warleberger Hofes mit dem Erweiterungsbau erfolgt nicht zerstörungsfrei. Der verbindende gläserne Gang ist daher problematisch.
- Der Anschluss der neuen Bebauung an den Brandgiebel des Hauses Falckstraße 16 wird begrüßt.
- Gebäudehöhen und Geschosszahlen sind in allen Entwurfsbereichen angemessen; der 6-geschossige Kopfbau an der Parkseite der östlichen Gebäudezeile markiert den Gebietszugang angemessen.
- Die Gliederung der Baulose erfüllt die Anforderungen des Auslobers und erlaubt die Realisierung mehrerer unterschiedlich gestalteter Bauabschnitte.
Das Preisgericht empfiehlt, die auf den 1. Rang gesetzte Arbeit in folgenden Punkten zu überarbeiten bzw. zu konkretisieren:
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Die Gebäudezeile am Jensendamm soll zugunsten einer maßvollen Vergrößerung der Platzsituation Ecke Falckstraße/Jensendamm in der Länge reduziert werden.
- Der geplante „Jensengang” soll in der Wertigkeit der Straßenraumgestaltung deutlich unter dem Niveau von Falckstraße und Dänischer Straße liegen.
- Der als Museumserweiterung am Südende der östlichen „Jensengang”-Zeile geplante Baukörper sollte bei nicht musealer Nutzung die der Wohnzeile entsprechende Kubatur erhalten.
- Beim östlichen Eckgebäude „Jensengang”/Jensendamm soll das oberste Geschoss als Staffelgeschoss ausgebildet werden.