Nun ist es leider offiziell. Nach zwei offiziellen Anfragen bei der Landeshauptstadt Kiel kam am Samstag die schriftliche Absage zur Veröffentlichung der Ausstellungsunterlagen von Kiel2030.
Zur Erinnerung - Kiel2030 war die größte Bürgerbeteiligung, die in Kiel jemals durchgeführt worden ist. Rund 1000 Bürger, Schüler und Fachleute erarbeiteten in den Jahren 2002 und 2003 Visionen für die Stadt Kiel, die sich in den folgenden 30 Jahren durch den wirtschaftlichen Strukturwandel, das Altern der Gesellschaft und den Wettbewerb mit anderen Städten grundlegend wandeln wird - und muss.

Die Arbeitsergebnisse sind leider nicht öffentlich zugänglich. Dies ist bedauerlich, da die Erkenntnisse eine ausgezeichnete Basis für die Planungswerkstatt geboten hätten. Außerdem ist es in Anbetracht der Mühen, die die Teilnehmer in das Projekt gesteckt haben, eine traurige Bilanz.
Auf die Frage, ob die Ergebnisse von Kiel2030 auf FördePerspektiven publiziert werden dürfen, lautete die persönliche Antwort von Bürgermeister Peter Todeskino:
Im Auftrag der Oberbürgermeisterin habe ich Ihnen mitzuteilen, dass keine Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt wird.
Wirklich überraschend ist dies leider nicht. Es ist nur die traurige Fortsetzung der Tradition, die Entwicklung von konkreten Zukunftsperspektiven und langfristiger Stadtplanung in Kiel zu vermeiden.
Auch wenn die Projekte Kiel2030 und die aktuelle Altstadt-Diskussion eher in die Zuständigkeitsbereiche der jeweiligen Planungsdezernenten fallen (2003: Bg. Ronald Klein-Knott, 2009: Bg. Peter Todeskino), darf man als Bürger erwarten, dass die Oberbürgermeisterin sich für die enorme Bürgerbeteiligung und die Bedeutung der Planungen interessiert - und nicht nur bei den abschließenden Pressekonferenzen erscheint.
Weder an der Abschlussveranstaltung und Ausstellungseröffnung von Kiel2030 im Hörn-Campus, noch an der Planungswerkstatt im Alten Rathaus nahm Angelika Volquartz teil.
Und was bleibt…
…ist die Erkenntnis, dass das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) mit der Annahme, dass die alten Strukturen - besonders in Kiel - schwer aufzubrechen sind, Recht behalten hat. Der Wandel von der postindustriellen Stadt zu einer Wissenschafts- und Dienstleistungsstadt am Wasser ist jedoch aus ökonomischen Gründen nicht nur wünschenswert - sondern unvermeidlich.
Die globale Finanzkrise, deren Auswirkungen nun auch in Kiel spürbar werden, leistet der Notwendigkeit zum Handeln weiter Vorschub. Einfache Zusagen zur Förderung des Segelsports in Kiel und der Marke Kiel.Sailing.City - sind dabei selbstverständlich und wichtiger Bestandteil der neuen Identität - aber nicht ausreichend.
Es ist zu hoffen, dass die Stadt Kiel sich als Stadt hoher, geradezu einmaliger Lebensqualität mit der Förde als altem und wieder neu entdecktem Zentrum in der Konkurrenz zu Hamburg und den Metropolen des Ostseeraums behaupten kann, ohne ihren Charme liebenswerter Alltäglichkeit aufzugeben. (Quelle: Abschlussbericht des difu-Instituts)
Was die Ausstellungsunterlagen betrifft, so mögen sie weiterhin auf dem Speicher des Alten Rathauses lagern. Die Schlussfolgerungen und die entwickelten Visionen wird es aber demnächst, basierend auf aktuellen Statistiken und mit neuen Grafiken versehen, hier auf FördePerspektiven zu sehen geben.
Kiel2030 - auf zu neuen Ufern
Im April 2000 lobte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Ideenwettbewerb namens Stadt2030 aus, an dem 112 Städte teilnahmen. Kiel und zwanzig weitere Städte waren mit ihren Konzepten erfolgreich und wurde in den Jahren 2002/2003 vom BMBF gefördert und vom difu-Institut begleitet, die Konzeptionen auszuarbeiten und die Umsetzung beispielhaft zu erproben.
Die Aufnahme von Kiel in den Forschungsverbund 2030 wird folgendermaßen beschrieben:
Der Strukturwandel von einem produzierenden Industriestandort zur Dienstleistungs- und Tourismusmetropole ist notwendigerweise auch mit städtebaulichen Veränderungen verbunden. Die wichtigsten Modellprojekte und Entwicklungspläne sollen hier dargestellt und diskutiert werden.
Für alle Wettbewerbsteilnehmer bestand die Forderung, exemplarisch Probleme zu identifizieren und bereits heute beispielhafte Lösungen für die Herausforderungen zu entwickeln, mit denen künftig zu rechnen ist. Diesem Anspruch kommt das Kieler Projekt in bemerkenswerter Weise mit der Vision einer postindustriellen Stadt nach, bei der für das Element Wasser, das den Fluss der Geschichte und die Entwicklung Kiels bestimmt hat, eine neue, zukunftsweisende Bedeutung vorgesehen ist. … Das Wasser der Kieler Förde, dieser Lebensader der Stadt, soll nicht etwa nur “in Wert gesetzt” werden, wie es Projektentwurf und Abschlussbericht des Kieler Projekts beschreiben. Wertlos, ohne Wert war es nie. Immer war die Förde die Basis der Stadtentwicklung Kiels, neben allen anderen Facetten dieser Stadt - z.B. als Landeshauptstadt oder Universitätsstadt. Und selbst diese Funktionen stehen bereits historisch mit dem Wasser in engster Beziehung. Die Förde vom “Werkzeug” industrieller Produktion einschließlich seiner Funktion als Marinehafen zum Erlebnis, zum permanenten, in allen Bereichen der Stadt und des städtischen Lebens spürbaren Ereignis zu entwickeln, ist das Ziel. (Quelle: Webseite des difu-Instituts)
Trauriges Ende des Kieler Wettbewerbsbeitrages war die Abschaltung der Webseite www.kiel2030.de im Jahr 2005. Die Ergebnisse der Workshops wurden dort übrigens nie veröffentlicht.
Das Internet hat glücklicherweise doch ein Gedächnis und so kann man die textlichen Fragmente der Webseite auch weiterhin über die Internet Archive Wayback Maschine aufrufen:
Alle archivierten Zwischenstände von kiel2030.de:
http://web.archive.org/web/*/http://www.kiel2030.de
Direktlink zur letzten Version von kiel2030.de:
http://web.archive.org/web/20041127061916/www.kiel2030.de/