Defizite und Schwächen

Die Uferkante des Stadtteils Neumühlen-Dietrichsdorf ist durch die Anlagen des Ostuferhafens und des Gemeinschaftskraftwerks geprägt, die den Bewohnern des Stadtteiles den Zugang zum Wasser weitgehend verwehren und in ihrer industriellen Prägung kaum Aufenthaltsqualität vermitteln. Die besondere Qualität des Stadtteils mit der direkten Lage am Fördeufer, teilweise durchaus noch naturnah geprägt, ist konzeptionell kaum entwickelt, der Einstieg in den Ostuferwanderweg erst in Mönkeberg verortet. Die ufernahen Nutzungen sind äußerst heterogen und kaum erlebbar.
Potentiale
Neben der direkten Wasserlage des Stadtteils stellt sich auch die Vielfalt der ufernahen Nutzungen – mit der Fachhochschule, dem Hafen, dem Kraftwerk, der Schwentinemündung und dem waldbestandenen Grünzug des Ölbergs – als ein einmaliges Potential dar, auch den Stadtteil Dietrichsdorf als maritime Stadtlandschaft zu entwickeln, die es insbesondere für den Stadtteilbewohner erlebbar zu machen gilt. Das von außen wahrnehmbare Bild des strukturell eher benachteiligten Stadtteils kann durch eine deutlich bessere Erlebbarkeit des Ufers einschließlich seiner Nutzungen eine deutliche Aufwertung erfahren. Dietrichsdorf/Dietrichsdorfer ans Wasser!
Restriktionen
Hafen und Kraftwerk schließen im Umfeld weitgehend eine Intensivierung von Wohnnutzungen, die Entwicklung von wassernahen Erholungsbereichen oder intensiv nutzbaren Stadtstränden und Freiräumen aus. Das trennende Großgrün auf dem Ölberg zum Nachbarn Mönkeberg und am Fördehang muss erhalten und intensiviert werden.
Leitmotiv / Gemeinsame Anknüpfungspunkte
Die Integration des Uferbereiches Hasselfelde in ein Gesamtkonzept des Ostuferwanderweges ist für den Stadtteil unabdingbar, um den Landschaftsraum des Fördeufers in seiner Gesamtausdehnung zu erschließen. Der Wanderweg beginnt (oder endet) nicht in Hasselfelde, er ist durch den Ortsteil über das Fachhochschulgelände bis zum Schwentineufer hindurch zu ziehen und fortzuentwickeln. Die Siedlungsstrukturen des Stadtteiles müssen deutlich stärker mit dem Wanderweg verzahnt und vernetzt werden. Der Wanderweg muss dementsprechend aus dem Stadtteil heraus erlebbar werden.
Dies gilt auch für die Ufernutzungen, die deutlich erlebbarer werden müssen – hier kann die Topographie des Fördehanges ideal genutzt werden, um Aussichtspunkte und Einsichten in die begleitende Stadt- und Fördelandschaft zu gewähren.
Konkrete Projektideen und weitere Planungsansätze
Der neu zu schaffende Dietrichsdorfer Balkon an der Schwentinemündung und der anschließende, hier von Technik geprägte Fördewanderweg (z.B. alte, aktuell wieder zugänglich gemachte Gießerei) eröffnen in ihrer Wegeführung und Höhenlage die Sichtbeziehung zum Wasser, die Erlebbarkeit des Hafens und des Westufers. Die Schwentinemündung verdient an prominenter Stelle – weit vorn in der Förde wahrnehmbar – die Schaffung einer Landmarke, öffentlich zugänglich, die Dietrichsdorf deutlich enger an die Stadt heranführt und einen einmaligen Ausblick auf das Weichbild der Stadt eröffnet.
Der Fördewanderweg sollte im Bereich von Hasselfelde nicht unmittelbar am Wasser, am Gelände des ehemaligen Marinedepots entlang, sondern nach Mönkeberg wie bisher über den Ölberg geführt werden. Der neu geschaffene Strand am Marinedepot sollte naturbelassen bleiben, weitere bauliche Entwicklungen vermieden werden. Die hier gelegene wichtige Landschaftszäsur zwischen der Stadt Kiel und Mönkeberg, die hier durch den Ölberg und die landeinwärts gelegenen wichtigen Freiräume besonders ablesbar ist, muss in ihrer Wirkung erhalten und gestärkt werden. Der eigentliche Stadtstrand, der erste aus Kiel heraus erlebbare und nutzbare Strand, liegt in Mönkeberg. Dementsprechend ist die Gestaltung der Freiraum-Verknüpfung von Dietrichsdorf mit Mönkeberg deutlich zu verbessern. Ggf. ist zusätzlich zur Verbindung über den Ölberg eine Verbindung direkt an der Wasserlinie, z.B. in Form eines Steges, entlang zu entwickeln.
Es liegt nahe, für den Bereich der ufernahen Ortslage Neumühlen-Dietrichsdorf einen Rahmenplan zu entwickeln, der als langfristig angelegter ‚Masterplan’ die gesamte Uferabwicklung von der Schwentinemündung bis zum Ölberg erfasst, die ‚Magistrale’ durch den Stadtteil entwickelt und die Verknüpfung mit den Siedlungsstrukturen deutlich verbessert.
Kritische Diskussion
Die Gestaltung des Fördewanderweges, z.B. hier in Form eines Technikpfades, erweist sich als technisch und finanziell relativ aufwendig, insofern ist es wichtig, zunächst die Zugänglichkeit des Fördewanderweges in Mönkeberg aus dem Stadtteil heraus deutlich zu verbessern. Im Stadtteil sind Aussichtspunkte auf dem Oberland in Dietrichsdorf zu definieren, die Dietrichsdorf den Ausblick auf das Wasser und die Ufernutzungen öffnen.
Teilnehmer der Arbeitsgruppe 1:
Isabell Franke Dipl.Ing.
Herr Grater Cand.Arch.
Hartmut Laß
Florian Liedl Landschaftsarchitekt
Verena Meyke Dipl.Ing.
Herr Nurrmann
Silke Oldenburg Cand.Arch.
Gernot Starcke Vorsitzender des Ortsbeirates Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf
Die Workshopergebnisse finden Sie auch in der Broschüre auf den Seiten 12 bis 15. Einzelansichten und PDF-Download sind in der Galerie verfügbar.
Vorschaubilder aus der Broschüre: