Neben den Plänen zum Neubau der ‘Rathaus Galerie’ und der Umgestaltung des Karstadt-LEIK-Bereichs wird nun auch die Kieler Altstadt in den immer populärer werdenden Diskurs zur Aufwertung der Innenstadt miteinbezogen.
Die Projektentwicklungsgesellschaft ECE aus Hamburg – mittlerweile Manager des Kieler Sophienhofs – hat in Zusammenarbeit mit dem Kieler Architekturbüro Nagel eine Vision zur umfassenden Neugestaltung des Altstadtquartiers, entworfen.
Diese umfasst eine Philharmonie, ein Fünf-Sterne-Hotel mit angegliedertem Kongresszentrum und ein Einkaufszentrum mit rund 27.000 qm Verkaufsfläche. Betroffen hiervon sind das nördliche Areal zwischen der Altstadt und dem Kieler Schloss sowie das dahinter, an der Förde liegende Gebiet zwischen Schifffahrtsmuseum und Ostseekai, woraus sich ca. 50.000 qm Gesamtfläche ergeben. Es ist ein Investitionsvolumen von mehr als 300 Millionen Euro geplant, die zum Teil durch ECE, aber auch durch öffentliche Mittel und Bauzuschüsse anderer Investoren getragen werden könnten.
Die ersten veröffentlichten Visualisierungen zeigen eine großzügige Glasarchitektur und deuten damit die Öffnung des Quartiers zum Wasser an. Eine endgültige architektonische Formulierung des Projekts hat noch nicht stattgefunden. Erwünscht ist jedoch, dass die Philharmonie architektonisch, aufgrund der großartigen Lage am Seegarten, eine “Leuchtturm”-Funktion für das gesamte Projekt einnimmt. Das dahinter, auf dem jetzigen Rantzauplatz geplante Hotel soll zudem, neben dem Turm der Nikolai-Kirche, als weithin sichtbare Markierung der Kieler Altstadt dienen. Zu vermuten ist, dass das denkmalgeschützte Kieler Schloss dem geplanten Einkaufszentrum weichen könnte…
Ziel der Vision ist es, die brachliegende Altstadt aufzuwerten, derzeit ungenutze Straßenzüge (bspw. die Eggerstedtstraße) neu zu beleben und zu gestalten sowie die Kieler Wasserseite mehr mit dem Einkaufs- und Architekturerlebnis der Stadt zu verbinden.
Eine Realisierung bzw. der Baubeginn des Projekts – bei schneller Zustimmung der politischen Instanzen und Lösung der Finanzierung – wäre schon ab 2010 denk- und bis 2012 umsetzbar.
Aller Voraussicht nach, ist diese gewünschte Planung jedoch nicht einzuhalten, da sich der Diskurs aufgrund konkurrierender Projekte in die Länge ziehen wird. Laut ECE ist jedoch weder die Neugestaltung des Karstadt-Bereichs, da hierdurch keine neuen Verkaufsflächen entstehen würden, noch der Neubau der ‘Rathaus Galerie’, wenn deren Grundfläche auf 18.000 qm begrenzt würde, ein Planungshindernis.
Noch befindet sich ECE ganz am Anfang der Planung, aber erste Schritte wurden schon vollzogen: das Parkhaus in der Flämischen Straße wurde bereits aufgekauft…
Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf der Webseite des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages
Ich bin schon öfters in anderen Norddeutschen Städten gewesen: Lübeck, Hamburg, Flensburg u. a.,aber in keiner dieser Städte
hat man die öffentlichen Plätze so verschandelt wie den Alten
Markt oder den Europa-Platz. Ich hoffe dass nach der OB-Wahl
jetzt endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.
Die Gestaltung des Alten Marktes ist tatsächlich ein Hauptproblem der Innenstadt. Das zerklüftete “Loch” im Platz steht der sinnvollen Nutzung bei Festen (Weihnachtsmarkt, Kieler Woche,…) im Wege und die Pavillions zerstören die Raumwirkung des Platzes. Auf diese Weise kann keine identitätsstiftende Stadtmitte entstehen.
Problematisch aus Stadtsicht dürfte sein, dass es sich dabei um eine reine Rückbaumaßnahme handelt. Die Kosten würde allein die Stadt tragen – an solchen Projekten haben gewinnorientierte Investoren natürlich kein Interesse.
Eine Lösung könnte ein PACT-Bereich Innenstadt sein – mit finanzieller Unterstützung des Landes, oder die Verwendung von Investorengeldern, die durch Verkauf von Innenstadtflächen in die Stadtkasse kommen.
Wenn mit der Verwirklichung der Pläne dann endlich die Pavillons auf dem Alten Markt verschwänden, solls mir recht sein. Aber das Motto sollte nicht sein “Nicht kleckern, sondern klotzen”, sondern man sollte sich wie in Dresden und anderen Städten, die im Krieg mindestens ebenso zerstört wurden wie Kiel, um die Wiederherstellung des historischen Stadtbildes bemühen – gerade auch am Alten Markt. Alles andere ist nur rausgeworfenes Geld.
Das Parkhaus, welches gekauft wurde in der Flämischen Straße…ist das dieses schreckliche, hässliche Ding an der Eggerstedtstraße? Aus den Visualisierungen in der KN schien es sogar so, dass die Eggerstedtstraße halb bzw. ganz verschwinden soll. Sie ist historisch gesehen auch total überflüssig. Sie gab es vor dem Krieg nicht und seit sie existiert nutzt sie niemand.
Nicht kleckern, sondern klotzen. Das kennt man von Kiel gar nicht. Aber bisher ist ja alles auch “nur” Vision. Mal schauen, was von diesen Plänen in ein paar Monaten noch übrig bleibt. Aber zumindest bringt es die Diskussion in Gang!